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20. April 2005

Die Rolle der Medien in der Außenpolitik

Dr. Günther Nonnenmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Zusammenfassung

Diplomatie auf dem Marktplatz
Nur wenige interessieren sich für Außenpolitik, aber alle wollen mitreden

Der Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Dr.Günther Nonnenmacher, sprach am 20. April 2005 im Münchner Völkerkundemuseum vor der Gesellschaft für Außenpolitik über das Thema „Die Rolle der Medien in der Außenpolitik“. Der Referent konstatierte einen „Niedergang der Diplomatie“, die von einer geheimen zu einer öffentlichen Sache geworden sei. Am Beispiel der heftigen Diskussionen um die Wiederbewaffnung Westdeutschlands in den 50er Jahren und die Nachrüstung der NATO zu Beginn der 80er Jahre machte er deutlich, wie umstrittene Entscheidungen auch gegen die öffentliche Meinung durchgesetzt werden können. Als konträres Beispiel diente ihm die ablehnende Haltung der Bundesregierung zum Irakkrieg, die den Rückhalt der öffentlichen Meinung fand und der rot-grünen Koalition den Wahlsieg 2002 bescherte. Die öffentliche Austragung diplomatischer Konflikte bewertete der Referent zwar als „eher negativ“, aber: es könne keinen Primat für Geheimdiplomatie geben (in diesen Tagen dachte man sofort an die geheimen Zusatzprotokolle zum Molotow-Ribbentrop-Pakt von 1939).

Ausführlich befasste sich Nonnenmacher mit den Praktiken der Medien, die Meinungsbildung der Nachrichten-Konsumenten zu beeinflussen. Dazu rechnete er die Selektion der Nachrichten: solche aus den nördlichen Breitengraden würden eher als wichtig erachtet als andere aus den südlichen. Schließlich: „Ohne bewegte Bilder keine Nachrichten“ (oberstes Gebot für das Fernsehen). Die Bedeutung der Nachrichten-Agenturen ist nach Nonnenmachers Meinung kaum zu unterschätzen: niemand sollte sich darüber erregen, aber sie böten eben keine gründliche und abgewogene Berichterstattung. Darüber hinaus verursache die monopolartige Stellung der Agenturen eine Gleichförmigkeit der Berichterstattung. Es ergebe sich eine Gleichartigkeit der Themen sowohl in der Darstellung als auch in der Auswahl. Als weiteren heiklen Punkt führte Nonnenmacher den CNN-Effekt an: er bestehe darin, dass durch ständige Wiederholung gezielter Nachrichten Politiker zum Handeln gezwungen würden; ein zusätzlicher Effekt entstehe dadurch, dass andere Medien die von CNN aufbereiteten Darstellungen übernähmen. Ähnlich verlaufe das Spiel der sogenannten „spin-doctors“: auch sie lancierten Nachrichten, um bestimmte Wirkungen zu erreichen. Als Beispiel für Kampagnen-Journalismus könne das Boulevard-Blatt „Bild“ dienen, das Politiker „weich koche“ und sie zwinge, einem „Agenda-selling“ nachzugeben, also die von „Bild“ und anderen Medien vorgegebenen Themen zu übernehmen. Ein weiteres Problem stellten die „Fallschirmjäger“ dar, also jene mal bei Bedarf an Brennpunkten auftauchenden Reporter, die schnell an News einsammelten, was sie ergattern könnten, und dann wieder zum nächsten Krisenherd aufbrächen.

Nonnenmacher bezog sich auf Umfrage-Resultate, als er behauptete, nur 41 Prozent der Deutschen interessierten sich für Außenpolitik, von denen wiederum nur 6 Prozent ihr große Bedeutung einräumten. Er glaube aber, dass die Werte eher noch niedriger lägen. Einen gewissen Widerspruch zu der vermuteten Bedeutungslosigkeit außenpolitischer Themen bei der Formierung der öffentlichen Meinung stellte seine Mutmaßung dar, dass bei der nächsten Bundestagswahl wieder, wie schon 2002, „ein außenpolitischer Effekt zum Zuge kommen wird“. Die außenpolitische Bildung der Deutschen hält Nonnenmacher in nächster Zeit nicht für verbesserungsfähig- „angesichts eines Kanzlers, der TV und `Bild` für die wichtigsten Medien hält“. (Die Veranstaltung wurde vom 1. Vorsitzenden der Gesellschaft für Außenpolitik, Dr. Horst Mahr, moderiert.) (Text: Josef Riedmiller)