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12. Mai 2010

Technologietransfer in einer globalen Welt

Dr. Wolfgang Heubisch, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst

Zusammenfassung

Technologietransfer in einer globalen Welt

Wissenschaft und Wirtschaft – sind das nicht Gegensätze?

Hier der Geist. Dort das Geld.

Hier die Freiheit der Forschung. Dort die Gesetze des Marktes.

Wir alle wissen, dass dieses Zerrbild nicht der Realität entspricht.
Im Gegenteil:

Wissenschaft und Wirtschaft werden beide von der gleichen Kraft angetrieben.

Sie zielen beide auf den Fortschritt,

und sind beide Innovationskräfte unserer Gesellschaft.

Und: Beide stärken die Wahrnehmung Bayerns als Forschungs- und Wissen-schaftsstandort in der Welt.

Nur scheinbarer Gegensatz Wissenschaft und Wirtschaft

Wissenschaft und Wirtschaft sind dabei wie Läufer, deren Blick nach vorne gerichtet ist und die ihr Ziel möglichst schnell erreichen wollen.
Unsere Aufgabe muss es sein, diese beiden „Läufer“ zu einer Stafette zu verbinden,
aus ihrem Lauf einen Staffellauf zu machen und durch eine internationale Ver-netzung von Wissenschaft und Wirt-schaft erfolgreich ins Ziel zu gelangen.

Der entscheidende Moment beim Staffellauf ist die Übergabe des Stabs. Sie muss möglichst schnell und effizient erfolgen.
Schnell und effizient muss auch der Transfer von Know-How in innovative Unternehmen gelingen.

Effizienter Wissens-transfer als zentrale Aufgabe des Staates

Ich sehe es als zentrale Aufgabe der Politik an,
Strukturen zu entwickeln und zu fördern, die den Wissenstransfer ver-einfachen, und damit den „Wechselraum“ für die Stafette „Wissenschaft und Wirt-schaft“ zu gestalten.

Die Bayerische Staatsregierung hat dafür ein Bündel von Maßnahmen entwickelt.
So können sich interessierte Unternehmen über mögliche Kooperationspartner an den bayerischen Hochschulen in unserer Datenbank Baydat informieren oder direkt mit ihnen Kontakt aufnehmen.
Dort sind die Forschungsprofile von über 1.350 bayerischen Hochschulwissen-schaftlern erfasst.

Initiativen der Bayerischen Staatsregierung

Als Anlaufstelle für die Wirtschaft haben wir die Technologietransferstellen an den Hochschulen konzipiert.
Ihre Aufgabe ist es, Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen

zu vermitteln,

durchzuführen

und zu betreuen.

Um sich gegenseitig abstimmen zu können, haben sie sich zur Arbeitsgemeinschaft der Transferstellen der Bayerischen Universitäten zusammen-geschlossen.
So können Anfragen aus der Wirtschaft schnell innerhalb des Netzwerks weiter-gegeben werden.
Außerdem haben wir mit den Bayeri-schen Forschungsverbünden interdiszi-plinäre Netzwerke der vorwettbewerbli-chen Forschung geknüpft.

Technologietransferstellen Bayerische Forschungsverbünde

Die frühe Zusammenarbeit von Forschern einerseits und Entwicklern aus der Wirtschaft andererseits schafft die Grund-lage für eine zügige Umsetzung der Ergebnisse in hochwertige Produkte.
Die Schwerpunkte der bayerischen Forschungsverbünde liegen in den Bereichen

Life Sciences,

Nanowissenschaften,

Neue Materialien,

Informations- und Kommunikations-technik

und innovative Produktion.

Aber auch mit geisteswissenschaftli-chen Themen haben sich die For-schungsverbünde befasst.
Schließlich haben wir die Clusteroffensi-ve gestartet. Sie soll Forschung, Unternehmen, Existenz-gründerzentren und Kapitalgeber verbinden

Cluster-Offensive

und somit die Potenziale in Wissenschaft und Wirtschaft bündeln.

So können Forschungsergebnisse noch schneller in marktfähige Produkte umgewandelt werden.
Mit insgesamt rund 40 Millionen Euro fördern wir über fünf Jahre hinweg 19 bayernweit ausgerichtete Plattformen, die besonders bedeutende Branchen und Kompetenzfelder abdecken.
Der vom Staatsministerium für Wissen-schaft, Forschung und Kunst betreute Cluster „Nanotechnologie“ stärkt bei-spielhaft eine noch junge Querschnitts- und Zukunftstechnologie.
Er will dabei zum einen den Wissens-Transfer in die Unternehmen organisieren und festigen,
zum anderen Nanotechnologie-Grundlagen in die Ausbildung an Schulen und Hochschulen stärker einbeziehen.

All diese Maßnahmen verfolgen ein gemeinsames Ziel: Wissenschaft und Wirtschaft zu ver-netzen, um neues Wissen in eine anwendbare Technologie zu übersetzen.

Dabei müssen wir immer im Blick behalten: Die großen Zukunftsthemen werden heute nicht mehr von einer Region alleine gewonnen. Dem internationalen Wissenstransfer kommt also eine besondere Bedeutung zu.

Gerade im Bereich von Wissenschaft und Forschung gilt: Die kritische Masse an Spitzenwissenschaftlern,
Finanzmitteln, technologischem Know-how und Verbindungen zur Wirtschaft wird oft nur noch durch leistungsfähige internationale Netzwerke und Partner-schaften erreicht.

Bayern muss darauf angemessen reagieren.
Deshalb haben wir das Thema „Internationalisierung“ erst gestern in der Sit-zung des Bayerischen Kabinetts wieder intensiv diskutiert. Wir wollen die bayerische Politik im internationa-len Bereich noch weiter ausbauen
und noch gezielter auf die Zukunfts-felder des Freistaats ausrichten.

Schließlich leben wir in einem Hochlohnland und sind darum von Innovation abhängig. Deshalb soll Bayern ein Knotenpunkt von möglichst vielen inter-nationalen wissenschaftlichen Netzwerken werden.
Dazu müssen wir die Internationalisie-rungs-Politik des Freistaats gezielt auf die Regionen ausrichten, die für solche Netzwerke relevant sind.
Wir wollen darum die regionalen Schwerpunkte des Freistaats überprüfen und gegebenenfalls neu justieren,
um damit die Innovationsfähigkeit Bayerns weiter zu steigern.

Die Internationalisierung der bayerischen Hochschulen ist eines der Haupt-anliegen meiner Wissenschaftspolitik. Und sie wurde auf der gestrigen Kabi-
nettssitzung als eines der Schlüsselfelder der bayerischen Internationalisierungs-Politik bestimmt.
Längst stehen unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen in einem weltweiten Wettbewerb um die besten Köpfe und Ideen. Damit Bayern für exzellente Wissenschaftler und Forscher attraktiv bleibt, müssen wir vor allem die Rahmenbedingungen verbessern – zum Beispiel indem
wir bürokratische Hindernisse ab-bauen und die Wirtschaft anregen, sich noch stärker an unseren Hochschu-len zu engagieren.

Daneben unterstützen wir die Internationalisierung unserer Hochschulen bei-spielsweise durch gezieltes Marketing für den Hochschulstandort Bayern,

durch die Erschließung von Dritt-mitteln, insbesondere beim DAAD und bei der Europäischen Union,
sowie durch eine verbesserte Serviceleistung der Akademischen Aus-landsämter.

Ein besonderes Augenmerk haben wir darauf gelenkt,
die internationalen Aktivitäten der bayerischen Hochschulen zu vernetzen und hochschulübergreifend zu bündeln.

Das geschieht vor allem in den so genannten Hochschulzentren – etwa im Bayerisch-Chinesischen oder dem Bayerisch-Indischen Hochschulzent-rum. Erst im letzten Monat ist ein Baye-risch-Lateinamerikanisches Hochschulzentrum hinzugekommen.

Vernetzung in Hochschulzentren

All diese Maßnahmen zeigen Erfolg:

Rund 10,5 Prozent aller Studieren-denin Bayern kommen aus dem Ausland.
Und unsere Hochschulen unterhalten derzeit fast 3.900 Partnerschaften mit ausländischen Hochschulen.

Diese starke internationale Ausrichtung müssen wir noch weiter vorantreiben:
Denn so sichern und stärken wir die Position Bayerns als Wissenschafts- und Forschungsstandort. Gleichzeitig unterstützen wir damit die Erschließung von Exportmärkten für die Wirtschaft und nicht zuletzt die auswärtige Kulturpolitik.

Internationale Ausrichtung der Hochschulen heute

Der Grad der Internationalität Bayerns entscheidet mehr denn je über seine Zukunftsfähigkeit.
Wir müssen lernen, vernetzt zu denken. Nur dann können wir globale Zusammenhänge und die zunehmende Komplexität unserer Zivilisation richtig einschätzen – und unser Verhalten danach ausrichten. Durch eine weltweite Vernetzung können wir die Chancen der Globalisierung besser nutzen.
Doch ohne Wissen über die Sprache, die Kultur und die Lebensumstände des anderen gelingt heutzutage weder wissenschaftliche noch wirtschaftliche Kooperation über Ländergrenzen hinweg.
Interkulturelle Kompetenz ist ein
abstrakter Begriff. Fehlt sie aber, so kann das konkrete Folgen haben.

Interkulturelle Kompetenz

Als Export- und Innovationsregion sind wir darauf angewiesen, dass eine breite Schicht der bayerischen Bevölkerung interkulturell kompetent ist und man im Ausland Bayern und seine Potentiale kennt.

Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem internationalen Austausch zu – ob bereits im Studium oder als Teil der wissenschaftlichen Karriere.
Er bietet eine hervorragende Möglichkeit, Beziehungen zu Forschern und Wirtschaftseinrichtungen im Ausland zu knüpfen.
Dadurch entstehen Partnerschaften und leistungsfähigen Netzwerke auf interna-tionaler Ebene, die weltweit den Techno-logietransfer voran bringen.

Bei alldem dürfen wir uns nichts vormachen:

Das so genannte „Netzwerken“ ist kein Endzweck!

Miteinander reden alleine führt nicht sehr viel weiter.

Aus dem Kontakt muss Engagement werden.

Das ist der Maßstab, an dem sich unsere Initiativen messen lassen müssen!
Schließlich wollen wir keine sich selbst erhaltenden Bürokratien schaffen, sondern flexibel auf die Herausforderungen unserer Zeit reagieren.
Der Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft kommt dabei eine ent-scheidende Rolle zu – in Bayern und international. Sie hat sich bewährt und bewährt sich tagtäglich.

Sie wird sich auch in Zukunft bewähren – davon bin ich überzeugt. Auch und gerade in der globalisierten Welt.

Dr. Wolfgang Heubisch, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst