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28. Februar 2005

The Fantasy War: Liberation, Weapons of Mass Destruction and Democracy

Robert Fisk, Nahost-Korresondent, "The Independent", London, Beirut

Zusammenfassung

Aus Befreiung wird Okkupation
Robert Fisk über Krieg und Besatzer im Irak

Der Nahost-Korrespondent der Londoner Tageszeitung „The Independent“, Robert Fisk, referierte am 28. Februar 2005 vor der Gesellschaft für Außenpolitik über das Thema „The Fantasy War: Liberation, Weapons of Mass Destruction and Democracy“. Fisk holte weit aus, um Similaritäten zwischen der heutigen Lage im Irak und der britischen Kolonialpolitik vor und nach dem Ersten Weltkrieg nachweisen zu können. In beiden Fällen hielt er eine grobe und den eigenen Interessen dienende Einmischung überlegener Mächte in die Angelegenheiten eines kleinen Landes für gegeben. Die politische Vorbereitung des Krieges der USA und deren Verbündeter sei auf Propaganda und Lügen aufgebaut gewesen. Was als Befreiung der Iraker von Saddam Hussein und Beginn der Demokratisierung im Nahen Osten deklariert worden sei, habe in einer Okkupation geendet. Bei Kriegsbeginn im März 2003 hätten die amerikanischen Streitkräfte mehr die Zivilbevölkerung als die regulären Truppen des Irak bombardiert. Heute hätten sich die US-Einheiten und die der „Koalition der Willigen“ in die Wüste zurückgezogen, während in den Städten die Terroristen wüteten. Jede Woche würden aus Bagdad offiziell etwa 150 Tote durch Angriffe der Terroristen gemeldet, in Wahrheit sei die Zahl der Opfer jedoch wesentlich höher. Dennoch, so der Referent, sei es den Terroristen nicht gelungen, die Strukturen für die Wahl eines Parlaments zu zerstören. Ob der Versuch, mit dieser Wahl die Lage zu stabilisieren, erfolgreich sein werde, müsse sich erst noch erweisen. Dominierend sei derzeit unter den Irakern der Slogan: „Lasst uns die USA loswerden!“ Vieles im Irak erinnere an das Vorgehen der USA in Vietnam. Die USA suchten jetzt im Irak nach einem „strong man“, der imstande sei, die Probleme zu lösen.

Zur Vorgeschichte des zweiten Irakkrieges sagte Robert Fisk, dass die USA im irakisch-iranischen Krieg in den 80er Jahren Verbündete Saddam Husseins gewesen seien: „Saddam was our man.“ Man habe gewusst, dass er Gas gegen Iraner und Kurden anwende. „Wir haben es ihm erlaubt.“ (Die Veranstaltung wurde vom 1. Vorsitzenden der Gesellschaft für Außenpolitik, Dr. Horst Mahr, moderiert.) (Text: Josef Riedmiller)